​Training

​Gleichberechtigung: Training an Tragegeschirr
und Packtasche

​Längere Wanderungen erfordern mehr Proviant, für den Menschen ebenso wie für unseren Hund. Während wir unsere Vorräte tragen, darf unsere Begleitung ihre Vorräte in der Packtasche mitnehmen.

Für unsere mehrtägige Wanderung gehen wir unsere Packliste im Kopf durch – okay, sind schon einige Dinge, aber das passt ja alles noch in den Rucksack. Und dann kommt das Hundefutter dazu, das nicht nur Gewicht, sondern auch Volumen mit sich bringt. Je nach Hund und Dauer der Tour kommen schnell einige Kilogramm Gewicht zusammen, die wir jetzt auch noch zusätzlich tragen müssen. Warum also nicht die Aufgaben verteilen und jeder trägt seine eigene Nahrung?

Mit einer Packtasche kann unser Hund etwa 15 - 25 % seines Körpergewichts selbst tragen, abhängig natürlich von Rasse, Alter und Gewicht des Hundes. Schwere und große Hunde können absolut betrachtet also mehr Gewicht tragen, benötigen aber auch mehr Futter. Unser Ziel ist, dass unser Hund für die Dauer der Wanderung sein Futter selbst trägt, maximal aber das Gewicht von etwa 20 Tagesrationen. Zudem sollten wir eine Kraftreserve einplanen und die Taschen auch bei der finalen Wanderung nicht bis ans Trainingslimit vollpacken.

​Langsames und stetiges Training

Doch zunächst fangen wir ganz klein an: Mit dem Tragegeschirr. Falls unser Hund bisher nur Halsband und Leine getragen hat, müssen wir ihn im ersten Schritt zunächst einmal daran gewöhnen, dass ein Geschirr den ganzen Körper umfasst. Im ersten Moment sind die Bänder und Schnallen sicherlich ungewohnt und der Hund wird immer wieder den Kopf auf den Rücken drehen und inspizieren, was wir ihm da angezogen haben. Doch bei einem ausgiebigen Spaziergang verfliegt die Argwohn schon bald und das Tragegeschirr ist vergessen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Packtaschen, diese ziehen wir unserem Hund zunächst leer an. Gerade bei Hunden mit viel Unterfell ist es nicht ganz einfach, den Mittelweg zwischen zu locker und zu fest zu finden. Als Faustregel sollte zwischen die Riemen und den Körper des Hundes eine Hand geschoben werden können. Jetzt also noch mehr Bänder, Schnallen und auch noch Taschen! Wie bei dem Tragegeschirr auch geht es erst einmal raus in die Natur, dort ist alles andere interessanter als die Packtaschen und schnell nimmt der Hund die Taschen nicht mehr als irritierend wahr.

Sobald unser Tier sich an die Taschen selbst gewöhnt hat, füllen wir sie mit leichtem, aber voluminösem Füllmaterial auf, beispielsweise mit geknüllter Zeitung, Verpackungsmaterial aus Styropor oder ähnlichem. Es geht noch nicht um das Gewicht, sondern darum, dass unser Hund lernt, dass er mit den Packtaschen breiter ist und sich nicht mehr knapp an Stühlen, Regalen, Türen, Bäumen, Zäunen und anderen Dingen vorbeiquetschen kann. Dabei beginnen wir am besten drinnen, denn hier wird es die größten Überraschungen für unseren Hund geben. Zunächst wird unser Tier sehr wahrscheinlich verdutzt stehenbleiben, sich dann aber schnell an seine "Überbreite" gewöhnen. Anschließend geht es raus und beim Spazierengehen und Spielen im Park werden die Packtaschen schnell zur Normalität. Das Procedere trainieren wir einige Male, bevor dann Gewicht ins Spiel kommt. Die Packtasche sollten wir dabei aber eher bei längeren Spaziergänge anlegen, für eine kurze Runde am Morgen oder Abend ist der Aufwand oftmals fast unverhältnismäßig.

Infos und Tipps

Leicht beginnen und dann steigern: Zu Beginn nur wenig Gewicht in die Packtaschen stecken und im Training wöchentlich schrittweise erhöhen. Bei zu viel Belastung sofort Gewicht entfernen und zunächst einige Tage lang mit gleichbleibendem Gewicht mehr Kraft aufbauen.

Belastungsgrenze: Hunde können etwa 20 bis 30 Prozent ihres Eigengewichts tragen. Die Faustregel lautet: Mit mehr Gewicht trainieren, mit weniger Gewicht auf Tour gehen. Das gleicht schwierige Untergründe und andauernde Belastung aus.

​Bei zu viel Belastung das Gewicht wieder zurücknehmen

Als Gewicht bietet es sich an, mit den Tagesrationen des Hundes zu arbeiten. So können wir die Belastung schrittweise erhöhen und können auch direkt sehen, wie viele Rationen unser Hund tragen kann. Dazu packen wir einzelne Tagesrationen vom Trockenfutter in Zip-Beutel ab und tauschen alle zwei Spaziergänge oder alternativ jede Woche etwas Füllmaterial gegen zwei Tagesrationen aus, eine links und eine rechts. Dabei sollten wir immer genügend Füllmaterial in den Taschen lassen, um sie prall zu füllen und dem Hund weiterhin seine Überbreite anzutrainieren.

​Beim Training mit Gewicht in den Packtaschen beobachten wir unseren Hund genau: Sehen wir Anzeichen von Schwäche, schwankt der Hund beim Laufen? Dann kommen das neu hinzugekommene Gewicht direkt wieder runter und wir trainieren noch eine Woche mit dem vorherigen Gewicht weiter.

​Sind wir beim gewünschten Gewicht angelangt und ist unser Hund damit vertraut, planen wir fünf bis zehn Prozent weniger Belastung für unsere Tour als Kraftreserve und für das Laufen auf schwierigem Gelände ein. Die Nahrung können wir bei unserer nächsten großen Tour fair aufteilen: Jeder trägt seinen Bedarf selbst.

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